Wasserstoff – eine wichtige Basis von Klimaneutralität | © smirkdingo, iStock

Mit der Änderung des Klimaschutzgesetzes hat die Bundesregierung die Klimaschutzvorgaben verschärft und das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 verbindlich vorgegeben. Dies kann gelingen, wenn alle relevanten Technologien und Optionen eingesetzt werden. Wasserstoff und den Gasinfrastrukturen hierzulande kommt in diesem Zusammenhang eine unverzichtbare Bedeutung zu.

Doch wie lässt sich eine regionale und sichere Versorgung mit klimaneutralen Gasen in Zukunft bundesweit konkret umsetzen? Hiermit beschäftigt sich „H2vorOrt“ – eine Initiative von DVGW und VKU sowie von 45 Partnerunternehmen.

Transformation der Gasverteilnetze

Um das Ziel der Treibhausgasneutralität zu erreichen, ist die Transformation der Gasverteilnetze eine klare Notwendigkeit. In Deutschland werden heute über 70 Prozent der Energie importiert, und auch in Zukunft wird Deutschland noch signifikante Mengen Energie importieren. Diese müssen dann jedoch klimaneutral sein und überwiegend aus klimaneutralem Wasserstoff oder seinen Folgeprodukten bestehen, die auch aus anderen Ländern als den heutigen klassischen Lieferländern kommen werden. Erdöl, Kohle und Gas werden derzeit zu großen Teilen aus Russland bezogen. Durch den Einsatz klimaneutraler Gase wird die Angebotsseite breiter diversifiziert, und durch die Teilnahme am sich entwickelnden Weltmarkt werden perspektivisch Verbraucherpreise stabilisiert und die Versorgung wird krisenfester.

Einführung eines Gasnetzgebietstransformationsplans

Für die Transformation vor Ort haben die 45 Partnerunternehmen von H2vorOrt mit Ihren Verbändepartnern DVGW und VKU mit der Initiierung des Gasnetzgebietstrans-
formationsplans (GTP) den Grundstein gelegt. Dieser ermittelt auf Ebene der deutschen Gasverteilnetzbetreiber in enger Abstimmung mit den Fernleitungsnetzbetreibern die Transformationsbedarfe auf lokaler Ebene, um die regionale und sichere Versorgung mit klimaneutralen Gasen konkret auszugestalten. Dies geschieht in Abstimmung mit den Kommunen und den ansässigen Industrie- und Gewerbekunden.

Zentrales Planungsinstrument

2022 wasserstoff h2vorortDer Gasnetzgebietstransformationsplan bildet dabei das zentrale und standardisierte Planungsinstrument für die Dekarbonisierung der Gasverteilnetze. Die Verteilnetzbetreiber arbeiten intensiv daran, die Transformation zur Klimaneutralität so schnell wie möglich umzusetzen. „Wir freuen uns, dass mit dem GTP der Startschuss für die Entwicklung eines deutschlandweiten klimaneutralen Gasnetzes erfolgt ist. Über die nächsten Jahre werden mit den Kommunen und Betrieben vor Ort konkret die Dekarbonisierungspfade entwickelt. Gleichzeitig werden die über 550.000 km Gasverteilnetze technisch überprüft und der Ertüchtigungsbedarf für die Durchleitung von Wasserstoff festgestellt. So entstehen lokale und deutschlandweit koordinierte Pläne, auf deren Basis dann die konkrete Umstellung auf Wasserstoff und andere klimaneutrale Gase bedarfsgerecht durchgeführt werden kann“, so ein gemeinsames Statement von Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender DVGW, Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer VKU, und Florian Feller, Vorsitzender H2vorOrt.

Um Deutschlands Weg zur Klimaneutralität bestmöglich zu unterstützen, werden die Gasverteilnetzbetreiber die eigene Transformation nun ambitioniert angehen. Der GTP ist hierbei das verbindende Element zwischen Kunden, lokalen Erzeugern und dem sich entwickelnden Wasserstoffnetz der Fernleitungsnetzbetreiber. Das Vorgehen zur Erstellung regionaler Gasnetzgebietstransformationspläne ist daher eng mit der Erstellung des Netzentwicklungsplans Gas (NEP) verbunden. Der GTP wird jährlich erstellt und dabei in der Analysetiefe gesteigert sowie fortentwickelt.

Weitere Informationen zu der Initiative finden Sie hier.

DVGW-Studie ermittelt Verfügbarkeit klimaneutraler Gase

2022 wasserstoff studieAber ist langfristig genug Wasserstoff verfügbar? Diese Fragestellung untersucht eine im Auftrag des DVGW durchgeführte Studie von Frontier Economics, die in verschiedenen Szenarien die mittel- und langfristige Verfügbarkeit klimaneutraler Gase ermittelt hat. Die Erhebung kommt zu dem Ergebnis, dass entgegen vieler Annahmen Wasserstoff keine Mangelware bleiben muss. Bereits ab dem Jahr 2030 kann der Bedarf mehr als gedeckt werden. Voraussetzung ist jedoch, dass die politischen Rahmenbedingungen entsprechend geschaffen werden.

Bedarf ist gesichert

Demnach stehen im Jahr 2030 rund 290 Terawattstunden (TWh) CO2-armer bis klimaneutraler Wasserstoff zur Verfügung. Etwa 60 Prozent davon wären grüner Wasserstoff aus heimischer Elektrolyse und anderen europäischen Ländern. Diese Menge übertrifft um ein Vielfaches alle gängigen Nachfrageprognosen. So geht der Nationale Wasserstoffrat für diesen Zeitraum von einem Bedarf von bis zu 110 TWh aus. Bis 2045 könnten Industrie, Fahrzeuge sowie Gebäude dann mit einer Energiemenge von 850 TWh versorgt werden. Durch den Import von grünem Wasserstoff beispielsweise aus Ländern Nordafrikas wäre auf lange Sicht sogar ein Angebot von etwa 2.000 TWh denkbar. Dies entspricht mindestens dem Doppelten der Energie, die im klimaneutralen Deutschland der Zukunft benötigt wird. „Das Argument, Wasserstoff sei der Champagner der Energiewende, ist somit widerlegt. Mit politischem Willen und den notwendigen Weichenstellungen können über die deutschen Verteilnetze ausreichende Mengen für alle Sektoren zur Verfügung stehen – für die Industrie und auch für die über 20 Millionen Haushalte, die heute mit Gas heizen. Es sollten also alle Sektoren für die Anwendung von Wasserstoff berücksichtigt werden“, sagt der DVGW-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Gerald Linke.

Und einen weiteren wichtigen Aspekt bringt die Studie deutlich zum Ausdruck. Entgegen den Festlegungen des aktuellen Koalitionsvertrages, der für den privaten Wärmemarkt keine Nutzung von Wasserstoff mehr vorsieht, zeigen die Ergebnisse, dass auch für den Gebäudesektor deutliche Vorteile in einer ausbilanzierten, gemischten Strategie erkennbar sind. Denn auch im Gebäudesektor könnten klimafreundliche Gase wirtschaftlich eingesetzt werden, da die langfristigen Herstellungskosten von grünem Wasserstoff von aktuell 25 bis 30 Cent pro Kilowattstunde auf fünf bis sieben Cent im Durchschnitt im Jahr 2045 – so die Annahme – sinken könnten. Auch vor diesem Hintergrund erscheint die aktuelle Fokussierung auf eine Direktelektrifizierung und Sanierung als wenig zielführend.

Die Studie steht hier zum Download bereit.


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