Die Bundesregierung plant, das Jahreskontingent der sogenannten Westbalkanregelung von derzeit 50.000 auf 25.000 Zustimmungen zu halbieren. Für die Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen (BVMB) ist das ein fatales Signal. Der Verband warnt vor negativen Folgen für die Bauwirtschaft, die Energiewende und die Verkehrsinfrastruktur und fordert einen schnellen Kurswechsel.
Der deutschen Bauwirtschaft fehlen in großer Zahl Fachkräfte. Allein im Bauhandwerk zählte das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) zuletzt besonders ausgeprägte Engpässe beim Ausbau von Infrastruktur und erneuerbaren Energien. Zugleich ist die Beschäftigung in Infrastrukturberufen laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in den vergangenen Jahren ausschließlich durch Zuwanderung aus dem Ausland gewachsen. „Wer jetzt das Kontingent für Arbeitskräfte aus dem Westbalkan halbiert, zieht der Bau- und Infrastrukturoffensive den Boden unter den Füßen weg“, warnt deshalb BVMB-Hauptgeschäftsführer Michael Gilka. (Foto: canva)
Arbeitskräfte aus dem Westbalkan unverzichtbar
Welche Bedeutung die Westbalkanregelung für die Branche hat, verdeutlicht auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB): Nach Angaben des Verbands wird das bisherige Jahreskontingent von 50.000 Visa-Erteilungen zu 44 Prozent vom Baugewerbe in Anspruch genommen. Bereits im Juli 2025 hatte sich der ZDB für die Beibehaltung des Kontingents ausgesprochen.
Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert sogar, das Kontingent ganz aufzuheben. Die Regelung habe sich als „wichtige und vergleichsweise einfache Möglichkeit“ bewährt, um Fach- und Arbeitskräftebedarfe zu decken, die aus Deutschland und der EU nicht befriedigt werden können.
BVMB fordert Erhalt des Kontingents und schnellere Visaverfahren
Die BVMB verweist zudem auf die demografische Entwicklung: Laut der IW-Arbeitsmarktfortschreibung 2029 könnte die bundesweite Fachkräftelücke um 47 Prozent auf 723.000 offene, nicht besetzbare Stellen steigen, wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert. Die Zahl der Fachkräfte aus den Westbalkanstaaten ist in den vergangenen fünf Jahren um 41 Prozent gestiegen.
Die Westbalkanregelung schafft legale und verlässliche Zugangswege zum deutschen Arbeitsmarkt und setzt damit ein klares Signal gegen Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Schleuserkriminalität. „Jede Fachkraft, die wir durch bürokratische Hürden und sinkende Kontingente verlieren, fehlt uns am Ende auf der Baustelle“, so Gilka weiter.
Der Verband fordert daher, das Kontingent mindestens auf dem bisherigen Niveau von 50.000 zu belassen und stattdessen die Verfahren zu beschleunigen, etwa durch eine zentrale, digitale Visabearbeitung. „Es nützt niemandem, wenn Gelder für Infrastrukturprojekte bereitstehen, aber die Betriebe mangels Personals nicht liefern können. Die Bundesregierung muss hier dringend nachsteuern, bevor der nächste Bauherbst zum nächsten Rückschlag für die Infrastrukturoffensive wird“, mahnt Gilka.








