Weniger Ausbildungsabbrüche im Tiefbau als in vielen anderen Branchen: Die Vertragslösungsquote liegt mit rund 29 Prozent weiterhin unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Das zeigt die aktuelle Berufsbildungsstatistik 2024. Gleichzeitig hat sich die Vertragslösungsquote bei den Tiefbaufacharbeitern in den vergangenen 15 Jahren nahezu verdoppelt. Wer die Ursachen für Ausbildungsabbrüche kennt und frühzeitig gegensteuert, kann Fachkräfte langfristig an den Betrieb binden und die Nachwuchssicherung stärken. (Foto: rbv)

Laut Ergebnissen der Berufsbildungsstatistik wurden im Jahr 2024 – der jüngsten verfügbaren Auswertung – rund 30 % aller Ausbildungsverhältnisse vorzeitig gelöst. Darüber hinaus ist die Vertragslösungsquote über alle Wirtschaftszweige hinweg langfristig angestiegen, im Jahr 2010 lag diese noch bei 23 %. Im Hoch- und Tiefbau, wo die Betriebe am sogenannten Ausbildungsverfahren teilnehmen, lagen die Vertragslösungsquoten dagegen mit rund 28 bzw. 29 % zuletzt unterhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts. Im Ausbildungsverfahren wird von allen Betrieben eine Ausbildungsumlage erhoben und die Betriebe, die ausbilden, bekommen einen großen Teil der Ausbildungskosten erstattet. Nur im Ausbaugewerbe lag die Vertragslösungsquote mit rund 38 % deutlich oberhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts.
In Studien wurde bereits untersucht, warum sich Auszubildende für eine vorzeitige Vertragslösung entscheiden. Dabei zeigt sich, dass das Risiko einer Vertragslösung erhöht ist, wenn die Ausbildung keinen Spaß macht, der Erfolg als gering oder aber die körperliche Belastung als zu hoch eingeschätzt wird. Umfragen zur Ausbildungszufriedenheit in der Bauwirtschaft zeigen, dass die große Mehrheit der Auszubildenden mit ihrer Ausbildung sehr zufrieden bzw. zufrieden ist, was die relativ geringen Vertragslösungsquoten im Hoch- und Tiefbau erklären könnte.
Allerdings gibt es große Unterschiede in der Vertragslösungsquote nach Ausbildungsberufen. Während der häufigste Bauausbildungsberuf Zimmerer durch eine sehr niedrige Vertragslösungsquote von 19 % hervorsticht und auch die zweit- und dritthäufigsten Ausbildungsberufe Maurer und Straßenbauer eine unterdurchschnittliche Vertragslösungsquote aufweisen, sind in anderen Ausbildungsberufen die Vertragslösungen überdurchschnittlich hoch. Insbesondere fallen die zweijährigen Ausbildungsberufe Tiefbau- und Hochbaufacharbeiter mit Vertragslösungsquoten von rund 40 bzw. 38 % auf.
Auch im Zeitverlauf fallen Unterschiede zwischen den Ausbildungsberufen auf. Zwar weisen alle Ausbildungsberufe eine im Trend steigende Vertragslösungsquote auf, was an dem grundsätzlichen Wandel vom Anbieter- zum Bewerbermarkt liegen dürfte. Aufgrund des wachsenden Überangebots an Ausbildungsstellen sind Auszubildende zunehmend geneigt, bei Unzufriedenheit zeitnah den Ausbildungsbetrieb zu wechseln bzw. die Ausbildung komplett abzubrechen. Dennoch ist die Vertragslösungsquote bei Zimmerern in den vergangenen 15 Jahren nur sehr schwach angestiegen, während die Vertragslösungsquote von Tiefbaufacharbeitern sogar um mehr als 19 Prozentpunkte angestiegen ist und sich fast verdoppelt hat.
Damit lohnt es sich, trotz der insgesamt relativ niedrigen Vertragslösungsquoten im Hoch- und Tiefbau die genauen Gründe für den Anstieg der Vertragslösungen in einigen Bauberufen zu analysieren. So fällt zum Beispiel auf, dass die Erfolgsquote – gemessen als Anteil der erfolgreichen Abschlussprüfungen an allen Abschlussprüfungen eines Jahres – bei Tiefbaufacharbeitern zuletzt ausgesprochen niedrig war. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) lag diese im Jahr 2024 bei nur 62 % und damit auf dem niedrigsten Niveau aller Ausbildungsberufe, für die Erfolgs- und Lösungsquoten ausgewiesen wurden. Dazu passt auch, dass die Erfolgsquote für Hochbaufacharbeiter mit rund 67 % ebenfalls ausgesprochen niedrig war und die geringen Erfolgsaussichten die hohen Vertragslösungen begünstigt haben könnten.
Weitere Informationen: Ausbildungs- und Fachkräftereport der Bauwirtschaft 2025 (PDF)








