Beim Erhalt und Ausbau der erdverlegten Leitungsinfrastruktur war der Blick bislang vor allem auf den Investitionsstau gerichtet. Doch wie das in den letzten Tagen vieldiskutierte Beispiel der Verkehrsinfrastruktur zeigt, droht nach der Bewilligung von Mitteln nun ein ganz anderer Mangel: In vielen Bauämtern fehlt es schon heute am erforderlichen Personal, um planen und Maßnahmen genehmigen zu können – ein Zustand, an dem sich so schnell nichts ändern dürfte und der sich über kurz oder lang auch auf den Leitungsbau auswirken wird.

Zum Stillstand verdammt

Bevor Leitungen oder Hausanschlüsse verlegt werden können, sind erst einmal die Straßenverkehrsbehörden gefragt: Aufgrabungen im öffentlichen Raum müssen genehmigt und die erforderliche Beschilderung muss angeordnet werden. Liegen die entsprechenden verkehrsrechtlichen Anordnungen nicht vor, können die Unternehmen des Leitungsbaus nicht tätig werden. Berliner Unternehmen etwa hatten auf personelle Engpässe bei der Verkehrslenkung Berlin und deren existenzbedrohende Folgen für sie bereits 2014 aufmerksam gemacht.

Der rigide Sparkurs, den die Stadt Berlin sich verordnet hat, ist freilich kein Einzelfall: Im Bemühen darum, sich finanziellen Spielraum zu verschaffen, haben zahlreiche Kommunen in der Vergangenheit in der Erwartung, der Bund werde die Investitionswende nicht schaffen, rigoros Personal abgebaut. „Der rbv weist seit Jahren darauf hin, dass sich das Sparen am falschen Ende und der damit verbundene Personalabbau inklusive Know-how-Verlust irgendwann rächen werden“, so der Hauptgeschäftsführer des Rohrleitungsbauverbandes (rbv), Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dieter Hesselmann. „Mittlerweile fehlen im öffentlichen Dienst in vielen Ländern Bauingenieure, die Planungsaufgaben wahrnehmen und Genehmigungen erteilen können.“ Der Personalmangel, infolge dessen jetzt vielerorts Stillstand herrscht, kommt nicht von ungefähr. Wegen schlechter Berufsperspektiven sind die Absolventen­zahlen im Studiengang Bauingenieurwesen lange Zeit zurückgegangen.

Eine ganze Generation fehlt

Laut der vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln kürzlich veröffentlichten Zahlen kamen im September 2012 auf 100 arbeitslos gemeldete baunahe Ingenieure 39 offene Stellen, im September 2016 waren es doppelt so viele – Tendenz weiter steigend. Das erforderliche Personal ist daher schon jetzt schwer zu bekommen, und zwar selbst für die Unternehmen, die attraktivere Konditionen bieten als die Behörden. Anders gesagt: Eine ganze Generation von Bauingenieuren fehlt im öffentlichen Dienst. Zudem hat der Stellenabbau zu einer ungesunden Altersstruktur geführt: Laut IW sind lediglich 8 % der baunahen Ingenieure im öffentlichen Dienst jünger als 34 Jahre – in der Privatwirtschaft sind es mehr als doppelt so viele. Dadurch, dass mehr als ein Viertel der insgesamt 56.000 baunahen Ingenieure die 55 bereits überschritten haben, stehen die Bauämter zudem vor einer umfassenden Pensionierungswelle.

Erhöhung des Investitionsbudgets nutzt nichts

Laut einer Berechnung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) belief sich der wahrge­nommene Investitionsrückstand der Kommunen im vergangenen Jahr auf insgesamt 136 Mrd. Euro. 26 % davon entfielen auf die Verkehrsinfrastruktur, 8 % auf den Bereich der Wasserversorgung und -entsorgung, 0,2 % auf Energieerzeugung und -versorgung. Ein Viertel der Kommunen rechnet damit, dass dieser Rückstand in den kommenden fünf Jahren weiter zunehmen wird; im Bereich Straßen und Verkehrsinfrastruktur gehen laut IW sogar 40 % davon aus. „Es ist also zu befürchten, dass auch eine Erhöhung des Investitionsbudgets nichts nutzt – die Haushaltsmittel könnten wahrscheinlich nicht im beabsichtigten Umfang in Bauleistungen umgesetzt werden“, so der ernüchternde Schluss der Kölner Wirtschafts­experten.

„Derzeit richtet sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vor allem auf die Probleme und Verzögerungen,, mit denen wir beim Erhalt der Straßeninfrastruktur rechnen müssen“, so Hesselmann. „Aber die Auswirkungen des Personalmangels und seine gesellschaftlichen Folgen in anderen Bereichen, wie z. B. im Leitungsbau, müssen ebenso thematisiert werden.“ Eine Aufgabe, der sich der rbv im Sinne seiner Mitgliedsunternehmen annimmt. (rbv)


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