Meine sehr geehrten Damen und Herren,
nachdem nun mit der sächsischen Landeshauptstadt und Metropole Dresden auch der Tagungsort unserer Mitgliederversammlung 2021 feststeht und dieser letzte Tagesordnungspunkt abgehakt ist, möchte ich noch einmal das Wort an Sie richten.

Kommen wir jetzt, wie eingangs angekündigt, zur aktuellen Situation im Leitungsbau:

In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich einige unserer rbv-Landesgruppen bei ihren Herbst- und Frühjahrstagungen besucht, um mit Ihnen, unseren Mitgliedern, im Gespräch und im direkten Austausch, etwas über die Stimmungen vor Ort, über die aktuellen Probleme und die allgemeine Lage zu erfahren.

Dabei habe ich zu meiner Überraschung feststellen müssen, dass es nicht so ist, wie es unsere Auftraggeber und teilweise auch die öffentliche Meinung sehen!

Es gibt Punkte über die geredet werden muss, Punkte und Themen, die ich von Ihnen mit auf den Weg bekommen habe, denen ich mich als Ihr Präsident annehmen werde!

Da steht zum Beispiel der Vorwurf im Raum, wir, die Leitungsbauer, würden die Preise hochtreiben und überteuert anbieten. Anscheinend wird nicht wahrgenommen, dass wir mit einem – zugegebenermaßen – recht hohen Lohnabschluss im Jahr 2018, mit Einmalzahlungen und einer Anhebung des Bau-Mindestlohns gezwungen waren, die Lücke zwischen dem Bau-Tarif und den seit Jahren hohen Abschlüssen in anderen Branchen zu schließen. Wenn wir ehrlich sind, so versuchen wir nur zu verhindern, dass die Lohn-Schere weiterhin auseinander läuft. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, wenn wir es ernst nehmen mit der Sicherung der Arbeitsplätze unserer Facharbeiter, mit einer Verbesserung der Attraktivität unserer Branche. Nur so haben wir vielleicht eine Chance Nachwuchs zu werben und zu gewinnen. Und dass die Maut und gestiegene Materialpreise in die Kalkulation einfließen müssen, wird ebenfalls häufig vernachlässigt.

Ein weiterer Aspekt ist der Eindruck, wir würden unsere Kapazitäten beim Personal knapp halten und bewusst keine Angebote abgeben oder überteuert anbieten. Ich halte dagegen, dass die Mitarbeiterzahlen in der Branche, ja im gesamten Baubereich seit Jahrzehnten aufgrund geringer Erneuerungs- und Instandhaltungsraten gesunken sind, sich fast halbiert haben, und erst jetzt wieder ein leichter Anstieg zu erkennen ist. Warum sagt man uns nicht rechtzeitig, welche Projekte und in welchem Umfang Maßnahmen auf den Tisch kommen? Wir könnten uns darauf einrichten, könnten Kapazitäten einplanen und vorhalten. Ein anderer Kritikpunkt ist, dass immer noch nicht kontinuierlich gebaut wird. Wir sind keine Saisonbetriebe. So halten wir unser Fachpersonal nicht bei der Stange.

Immer mehr Verantwortung und immer mehr Risiken versucht man auf uns zu übertragen. Und statt qualifizierter und sorgfältiger Planung beschäftgen uns die Auftraggeber mit zusätzlichen Fremdüberwachungsmaßnahmen, deren Qualität und Substanz am Ziel vorbeigehen. Wozu, so frage ich, haben wir in unseren Unternehmen ein funktionierendes Betriebliches Management System (BMS), wenn man uns mit den unterschiedlichsten Präqualifikationssystemen wertvolle Zeit stiehlt, wichtige Personalressourcen bindet und damit erhebliche Kosten versursacht.
Noch einmal klar und deutlich: Die GW 301 hat einen enormen Wert, den gilt es zu erhalten. Aber beide Seiten, die Auftraggeber und wir müssen dafür stehen!

In verschiedenen rbv-Landesgruppen gab und gibt es „runde Tische“ mit dem DVGW. In jüngster Zeit in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Diese Gespräche müssen wir fortsetzen und werden sie auch wieder aufnehmen. In Rheinland-Pfalz/Saarland und Hessen suchen wir schon einen Termin dafür und in Bayern, in den Landesgruppen Nord und Niedersachsen sollen neue runde Tische gegründet werden.

Ich frage Sie: Wie sieht es denn draußen aus?

Was braucht der Markt? Welche Aufgaben stehen an?
• Tausende Kilometer Gleichstromtrassen,
• das flächendeckende Internet,
• der 5-G-Rollout für Digitalisierung und autonomes Fahren,
• die E-Mobilität, hunderttausende Ladesäulen,
• die all-electric-world und die Netze dazu,
• die Energiewende, mit all den gewaltigen Umbauten im Stromnetz,
• dazu noch der bekannte Rückstand bei Gas, Wasser und Fernwärme,
all das muss gebaut werden! Von wem? Von uns!

Meine Damen und Herren,

es liegen gewaltige Aufgaben vor uns, vor den Leitungsbauern in Deutschland. Wir lassen uns aber nicht treiben, von Niemandem, auch nicht von der Politik! Wir sagen dazu: Setzt Prioritäten, sagt uns, was Euch wirklich wichtig ist. Nur Budgets in Milliardenhöhe bereit zu stellen reicht nicht!
Wir stehen bereit, ja, selbstbewusst und mit großer Verantwortung für die Netze und unsere Gesellschaft, aber nicht als Spielball der Politik.
Das sollten wir immer im Auge behalten.

Einen weiteren Rat, und damit komme ich auch zum Schluss, hat Herr Prof. Dr. Bauer auf der diesjährigen 26. Tagung Leitungsbau mit seinem Vortrag zur Ökonomie des Bauens uns allen mit auf den Weg gegeben. Er lautet:

„Auch wenn die Nachfrage, wie beim Breitbandausbau plötzlich enorm zunimmt und es zu Preissteigerungen kommt, werden dann wieder automatisch konjunkturdämpfende Mechanismen zum Tragen kommen. Solche Unternehmen, die deshalb unmittelbar Kapazitäten aufbauen oder aufgebaut haben, müssen diese - nach Wegfall des Marktimpulses - wieder abbauen. Und das kostet Kraft und viel Geld! Diese Schwankungen sind selbstzerstörende Elemente der Marktwirtschaft und nützen niemandem. Deshalb bedarf es einer verstetigten Nachfrage. Das gehört zu den wichtigsten volkswirtschaftlichen Zielen.“ - So weit Prof. Dr. Bauer.

Ich sage es komprimiert: Planen Sie Ihre Kapazitäten mit Augenmaß! Führen Sie mit ruhiger Hand. Lassen Sie uns alle entspannt agieren!
Etwas humorvoll kann man es auch so sehen, vielleicht kennt der eine oder andere von Ihnen noch den Werbespruch des Destillates Klosterfrau-Melissengeist, denn der gilt auch und heute erst recht für unsere Leitungsbauer. Er lautet:

„Nie war er so wertvoll wie heute!“
Ich danke Ihnen allen für den Besuch der Mitgliederversammlung 2019. Uns allen für das Baujahr 2019 weiterhin viel Erfolg, Gesundheit und Zufriedenheit.

Die Mitgliederversammlung 2019 in München ist hiermit beendet! Vielen Dank.

München, 5. April 2019


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