Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie – liebe Teilnehmer der 26. Tagung Leitungsbau – und heiße Sie alle sehr herzlich „Willkommen hier in Berlin“!

Die große Zahl Ihrer Anmeldungen zu unserer Tagung 2019 mit dem Titel „Technik – (k)ein Spielball der Politik“ zeigt uns, dass wir anscheinend Ihr besonderes Interesse geweckt haben. Darüber freuen wir uns alle sehr, das Präsidium, der Vorstand und die Geschäftsführung des rbv!

Meine Damen und Herren,

In den vergangenen Jahren wurde von uns, auch von mir, des Öfteren hinterfragt, wann der „Goldrausch im Hochbau“ denn endlich auch im Leitungstiefbau ankommen wird. Von dieser Formulierung bin ich heute definitiv weit abgerückt.

Fassen wir es doch einmal - ganz kurz formuliert - zusammen:
Im Leitungsbau „Wasser“ werden jetzt der Zustand der Rohre und die geringen Erneuerungsraten öffentlich diskutiert. Auch DVGW und BDEW formulieren den Anspruch „Keine Trinkwasserqualität, kein Lebensmittel Trinkwasser ohne funktionierende, moderne Leitungsnetze, Wassergewinnungs- und Aufbereitungsanlagen.“ Vor über 10 Jahren haben wir als rbv das genauso schon einmal angeprangert und haben dafür Schelte bezogen. Sogar unser Vorschlag von damals, den Wasserpreis nicht als unantastbar zu behandeln ist heute kein Tabuthema mehr!

Was liegt denn als Bauaufgaben alles vor uns?
- Im Leitungsbau „Strom“ sollen die HGÜ-Trassen, immerhin 2.100 km Gesamtlänge, bis zum Jahr 2025 fertig gebaut und in Betrieb sein.
- Zum Umstieg in die „all electric world“ und in die „E-Mobilität“ müssten ab sofort mehrere Hunderttausend Stromladesäulen errichtet und die dazu erforderlichen Netzverstärkungen oder Netzoptimierungen längst baulich angegangen werden!

- Wenn das „autonome Fahren“ in Deutschland Wirklichkeit werden soll, dann müssten zum Erreichen eines über die ganze Republik ausgerollten Mobilfunkstandards 5G vermutlich baldigst bis zu 750.000 Mobilfunkantennen errichtet und mit Strom und Breitband versorgt werden.

Und ach ja, fast hätte ich es vergessen:
- Zur Digitalisierung und Breitbandversorgung unseres Landes sollen auch noch bis 2025 flächendeckend leistungsfähigste Glasfasernetze errichtet werden.
- Und über Gasnetze, Fernwärmeleitungen, alternative Energien, den Straßen- und Brückenbau, den fehlenden Wohnraum, den Kanalbau und Starkregenrückhaltung und die sonstigen Infrastrukturen möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter reflektieren.

Eine enorme Menge an Aufgaben liegt vor uns. Und deshalb stelle ich die Frage, wer soll denn das bitte alles bauen? Wo sollen denn plötzlich die Kapazitäten hergenommen werden? Wo sollen die Facharbeiter und Nachwuchskräfte dafür herkommen? Nach einer Halbierung der Bauarbeiterzahlen zum Anfang dieses Jahrtausends haben wir ab 2009 bis 2018 wieder einen leichten Anstieg um etwa 20% verzeichnen dürfen. Aber mehr als 830.000 Bauarbeiter stehen nicht zur Verfügung! Diesen Schwund an Fachkräften haben nicht wir zu verantworten. Ursache war die fehlende Nachfrage und es waren die zurückgehaltenen Investitionen. Jetzt holt die Verknappung der Investitionen in den vergangenen Jahren, ja sogar Jahrzehnten, die Ver- und Entsorgungswirtschaft ein - holt uns alle ein!

Jetzt kommt der Zeitpunkt, den wir als Szenario schon lange beschrieben haben, der Zeitpunkt an dem uns die Menge der nicht getätigten Investitionen über den Kopf zu wachsen droht.

Und das alles zeitgleich mit den anderen von mir bereits angesprochenen immensen Bauaufgaben für unser Land! Wie gehen wir das an?
Sind wir gerade dabei zum Spielball der Politik zu werden - auf und ab, hin und her und ab zu Mal gegen die Bande gespielt!?

Es ist eine sehr schwierige Situation für uns im Leitungsbau. Es müssen Lösungen gefunden werden. Dazu müssen auch die Auftraggeber mit an den Tisch, wir müssen miteinander reden. Was hat Priorität? Wie soll die Zeitschiene aussehen? Wie erreichen wir eine konstante Auslastung und eine verlässliche Auftragssicherheit?

Ferner müssen wir darüber nachdenken - und der eine oder andere sich vielleicht dazu durchringen - auch als Generalunternehmer zu agieren, d. h. Nachunternehmer zu finden, welche unter unserer Führung und mit unseren Qualitätsvorgaben mithelfen, den Berg an Aufgaben zu bewältigen! Das würde schon weiterhelfen!

Wie ist der Status? Die Kassen des Staates sind übervoll, noch nie gab es so viele Steuereinnahmen. Der Einnahmenüberschuss beim Bund beträgt 2018 ca. 11,2 Milliarden EURO. Riesige Überschüsse auch in den Landeskassen, bei den Kommunen und den Sozialkassen.

Dieses Geld, diese Mittel stehen bereit und müssen jetzt in angemessener Höhe in die Infrastruktur investiert werden. Alle Beteiligten in der Kette der Vergabe-Hierarchie müssen Sorge dafür tragen, dass die Gelder auch verwendet und ausgegeben werden.

Wir fordern, dass effizient und vernünftig geplant und nachhaltig, d. h. mit hoher Qualität gebaut werden muss. Billiglösungen und Schnelligkeit um jeden Preis, d. h. „koste es was es wolle“, das lehnen wir ab. Das wäre Vergeudung von Volksvermögen. Wir verfrühstücken nicht die Zukunft unseres Landes, die Zukunft unserer Kinder und Enkel!

Fritz Eckard Lang
Präsident des rbv
Berlin, 22.01.2019


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