Meine sehr geehrten Damen und Herren,
mit unserem diesjährigen Leitthema „Leitungsbau-Komplexität einfach unterschätzt“ sind wir in diesem Jahr angetreten, um öffentlich aufzuzeigen, was unsere Branche bewegt, wo sich die Probleme befinden, wo es hakt und was die Ursachen dafür sind.

Wenn uns das gelungen ist, und wenn es auch auf Ihrer Seite ein neues Überdenken ausgelöst hat, dann war diese Veranstaltung ein Erfolg für uns.

Viel Neues haben wir gesehen und gehört:

• Aktuelle Informationen aus Politik, Verbändearbeit und Tarifpolitik hat uns der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie vermittelt, ebenso ging es um die bleibenden und zukünftigen Herausforderungen beim Bauen.
• Mit den relevanten Trends von morgen hat sich Herr Prof. Dr. Lude auseinandergesetzt und uns mit seinem Vortrag sehr gefesselt.
• Das enorme Risikopotential von durch Tiefbauarbeiten ausgelösten Vermögensschaden im Q-Element der Netzbetreiber war ein sehr wichtiger Vortrag. Jeder von uns muss für sich und sein Unternehmen prüfen, wie und ob er ausreichenden Versicherungsschutz dafür hat.
• Mit den Vorträgen zu den Chancen und Potenzialen von Wasserstoffinfrastrukturen und dem Referat über die zukünftigen Strategien und Geschäftsmodelle der EVU und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Netzdienstleister ging unser Blick in die Zukunft und auch über den eigenen Tellerrand hinaus.

Daran konnte auch der Vortrag zu „H2 Hybrid Infrastrukturen“ und der Entwicklung von neuen Energie- und Geschäftsmodellen in der Versorgungswirtschaft nahtlos anknüpfen. Wasserstoff als saubere Lösung unserer Energieprobleme? Der Weg ist vorgezeichnet. Über die „Erfolgsfaktoren der Digitalisierung“ und „die wirkliche Wahrheit über digitale Transformation“, dazu haben wir uns gerade eben noch informiert.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
mit besonderem Interesse haben wir den Vortrag von Herrn Prof. Dr. Linke gehört. Unsere von DVGW und rbv getragene „Initiative Zukunft Leitungsbau“ bündelt unsere gemeinsamen Interessen.

Ich setze meinen Fokus zunächst auf unser Gasnetz:

Über viele Jahre hinweg haben die technischen und politischen Lobbyisten im Leitungsbau sich dafür engagiert, die politischen Entscheider vom Irrglauben abzubringen die einzelnen Energieträger in gute, weil „erneuerbare“ und schlechte, weil „fossile“ Energieträger einzuteilen. Es bestand die Gefahr, dass Gas als Energieträger perspektivisch verdrängt werden könnte. Alle Anstrengungen, Gas mit einem Transformationsprozess in Richtung CO2- neutraler oder CO2-freier Technologien zu entwickeln, drohten zu scheitern.

Durch viel persönlichen Einsatz, durch nachhaltige Überzeugungsarbeit und durch die koordinierte Anstrengung aller Verbände gelang es dann doch, dass auch die Politik das hohe Potential unseres in Deutschland bereits bestehenden Gasnetzes erkannt hat. Wir verfügen über ein hervorragend ausgebautes Netz, was auch der Kompetenz und der hohen Qualität der an dessen Aufbau beteiligten Unternehmen unseres Rohrleitungsbauverbandes zu verdanken ist. Darauf sind wir stolz!

Durch beständiges Anmahnen und auch durch ein starkes persönliches Engagement (ich nenne hier an dieser Stelle den DVGW und Sie Herr Prof. Linke) hat die Politik in Berlin endlich erkannt, dass dieses Netz mit seinen enormen Speicherkapazitäten für gasförmige Energieträger in jeglicher Form (sogenanntes „Grünes Gas“) für die zukünftige Sicherheit unserer Energieversorgung eine zentrale und herausragende Rolle spielt.

Wenn die sehr ehrgeizig gesteckten Ziele der bundesdeutschen Energie- und Klimapolitik erreicht werden sollen, dann brauchen wir diesen wichtigen Teil unserer Leitungsinfrastruktur, um beispielsweise mit „Power-to-Gas“ erzeugten Wasserstoff über große Strecken zu transportieren, wo dieser, möglicherweise sektorenübergreifend, in eine Energiewelt der Zukunft integriert wird.Jedem am Energieprozess Beteiligten, insbesondere den Netzbetreibern, müsste klar sein, dass man keine singuläre, sondern eine ganzheitliche Betrachtung der Gas-, Wärme- und Stromnetze braucht. In Deutschland (ja sogar in Europa) brauchen wir eine langfristige, übergeordnete und aufeinander abgestimmte Infrastrukturplanung für unsere Energienetze.

Was wir auf jeden Fall nicht brauchen, sind überstürzte und unkoordinierte Alleingänge, da vergeuden wir Ressourcen und verschwenden das, was wir am wenigsten haben, nämlich wertvolle Zeit!

Klimapolitisch ist das vernünftig, und wirtschaftspolitisch ohnehin, da wir es so schaffen, Ökologie und Ökonomie zu verbinden, um daraus Wertvolles zu schöpfen - für uns und für die Generationen nach uns.

• Wir Leitungsbauer stehen bereit, an dieser infrastrukturellen Gemeinschaftsaufgabe national und international mitzuarbeiten.
• Wir stehen bereit, unseren Teil - das sind „Verantwortung und Qualität“ - zu übernehmen.
• Wir kennen die Komplexität des Leitungsbaus und nehmen gerne diese Herausforderung an!

Gleiches gilt auch für unsere Wassernetze:

Hier sind wir als rbv seit vielen Jahren mahnend und aufweckend unterwegs. Ich erinnere nur an unsere wegweisende und aufrüttelnde Initiative „Infrastruktur in Not“. Es nützt nur teilweise, wenn wir die Versorgungswirtschaft auf die längst überfälligen Investitionen in die Wassernetze hinweisen und Maßnahmen einfordern.

Wir haben auch die Pflicht in der Bevölkerung Bewusstsein für das Lebensmittel Wasser zu schaffen. Unser wertvollstes Gut!

Die vergangenen sehr heißen Sommer mit geringen Niederschlägen oder plötzlich auftretende Starkregenereignisse machen uns nachdenklich und manch einem kommen auch Sorgenfalten auf die Stirn. Ist das schon der Klimawandel? Ich kenne die Antwort darauf nicht, aber jeder weiß es: Wir müssen unsere Ressource Trinkwasser schützen, vor Schadstoffeinträgen genauso wie vor alterungsbedingtem Verfall. Unsere Wassernetze sollten dicht sein, von „innen“ wie von „außen“! Da führt kein Weg dran vorbei.

Ja, das Umdenken in den Wasserversorgungsunternehmen hat schon eingesetzt.

Die neue Generation der Werkleiter oder technischen Vorstände kommuniziert teils offen, teils hinter vorgehaltener Hand den teilweise beklagenswerten Zustand der Leitungen und Armaturen. Hier ist nach meiner Einschätzung auch die Politik gefordert: Eine maßvoll gestaltete, lineare Anhebung der Wasserpreise muss der Bevölkerung argumentativ vermittelt werden. Da müssen die Kartellämter und die Politik an die Zügel genommen werden. Nur so sind die notwendigen Finanzmittel sicher zu stellen, um kurz- und mittelfristig die Erneuerung der Wassernetze angehen zu können. Momentan sind die Wasserpreise nur ein Spielball der Politik, werden zum Zankapfel. Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Mal abgesehen davon, dass die allerwenigsten Verbraucher und Kunden wissen, dass 1 m³ Leitungswasser mit 1.000 Liter gleichzusetzen ist.

Dass dann so ein Liter Trinkwasser aus dem Netz nur 0,2 Cent kostet, hingegen eine 1-Liter-Flasche im Supermarkt teilweise mehr als 2 € kosten, also das „tausendfache“, wer weiß denn das!? Dem Bürger muss klarwerden, dass sein Anspruch auf ein Lebensmittel mit höchster Qualität und einer 24/7-Verfügbarkeit sowie auch die Maßnahmen zum Schutz dieser Ressource mittel- und langfristig mit Kosten verbunden sind. Und dazu müssen regulatorische Schranken niedergelegt werden.

Ein neues, geändertes Denken muss in den Köpfen unserer Politiker Einzug halten. Sie glauben, das läuft doch schon rund? Schauen wir uns doch mal die derzeitige Situation in Deutschland an: Mit vollen Händen werden Gelder verteilt und die prall gefüllte Staatskasse verlockt ja gerade dazu:
- es gibt staatliche Hilfe für die Kohlereviere,
- Hilfe für die erneuerbaren Energien,
- Hilfe für den Netzausbau beim Strom und bei der Glasfaser,
- für den Arbeitsmarkt,
- Hilfe für die Digitalisierung,
- und weitere Hilfe für noch vieles mehr.

Denn die Politik führt aus meiner Sicht nur noch Verteilungsdebatten und glaubt anscheinend, man muss nur genügend Geld auf ein Problem werfen, und schon ist es gelöst!

Warum ist das so? Ich empfehle Ihnen allen, sich mal in 4 Wochen die Umzüge aus den Karnevals- und Fastnachts- bzw. Faschingshochburgen anzusehen. Ich selbst bin mal auf so einem Prunkwagen mitgefahren: Die Zuschauer jubeln, wenn die Kamelle mit vollen Händen hinausgeworfen werden - selbst, wenn das meiste auf dem Boden landet und in der Gosse verschwindet. Das Volk ist glücklich und winkt freudig den Protagonisten zu - so sieht für mich die derzeitige deutsche Wirtschafts- und Klimapolitik aus. Eine wirkliche Lösung ist das aber nicht!

Ich frage: Ist es denn wirklich so, dass wir uns alle treiben lassen von bestimmten Gruppen unserer Gesellschaft, welche ungeduldig über angeblich nicht erreichte Fortschritte in der Klimapolitik jammern und immer neue staatliche Eingriffe und Subventionen fordern? Ich glaube „Ja“, dem ist tatsächlich so!

Warum schalten wir unsere eigenen Atomkraftwerke ab, um den real bestehenden Bedarf an Stromenergie mit französischem Atomstrom und Strom aus polnischen Kohlekraftwerken zu decken? Warum liquidieren wir gerade unsere wichtigste Schlüsselindustrie, den Automobilbau? So werden in wenigen Jahren bei den Herstellern und den Zulieferbetrieben tausende Arbeitsplätze binnen weniger Jahre vernichtet werden!

Meine Sorge lautet: Wir riskieren momentan all das, was die deutsche Wirtschaft einmal groß und stark gemacht hat.

Und beim Bauen ist das genau gleich! Es könnte mehr und schneller gebaut werden, wenn es nicht so viele Hürden und Hindernisse geben würde. Wenn die Baugenehmigungsverfahren länger dauern als die eigentliche Bauzeit - dann läuft da bei uns etwas ganz gewaltig schief!

Zum Leitungsbau möchte ich von hier aus anmerken, dass wir weiterhin als rbv im Dialog mit unseren Auftraggebern und unseren Marktpartnern stehen, dass wir uns mit ihnen austauschen und jedes Signal und jede Prognose bewerten.

Liebe Kollegen, trotz der derzeit recht prall gefüllten Auftragsbücher wissen wir nicht, wie zuverlässig die angekündigten Investitionsprogramme wirklich sind. Können wir uns darauf verlassen?

Wenn wir uns den Straßenbau anschauen, dann erleben wir hier gerade - und das trotz erheblichem Nachholbedarf beim Straßenerhalt und den Brückensanierungen - dass bereits wieder Aufträge storniert werden und die Auftragsvergabe äußerst schleppend verläuft. Die Anzahl der veröffentlichten Maßnahmen im Straßenbau geht zurück, obwohl ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Wir glauben nicht, dass es an den personellen Engpässen in den Behörden liegt, sondern dass eher auf sinkende Preise geschielt wird. Wenn ruinöser Preiskampf das Ziel sein soll, dann schadet die öffentliche Hand am Ende sich selbst! Es ist mehr als Ironie, ja fast schon zynisch, wenn man gleichzeitig von der Verwaltungs- und Ämterseite hört, dass die Firmen im Straßenbau mehr Personal-kapazitäten aufbauen sollen.

Übrigens: von meinen Kollegen im Kabelleitungstiefbau wird berichtet, dass die Deutsche Telekom derzeit die gleiche Strategie auch in Süddeutschland anwendet.

Im Leitungsbau darf es nicht zu solchen negativen Ereignissen kommen. Ich empfehle jedem von Ihnen, das Gespräch mit seinen Kunden zu suchen und immer wieder zu erklären, was die wirklichen Kostentreiber im Leitungsbau sind. Es sind die Lohnsteigerungen, die Preiserhöhungen bei Bau- und Kraftstoffen, die Maut, die Deponierungskosten und die Deponieraumverknappung, die gestiegene Transportkosten, und der sich verschärfende Fachkräftemangel zählt auch noch dazu!

Wir brauchen von unseren Kunden:
• verlässliche Vorgaben,
• kontinuierliche Investitionen,
• Vertrauen in unsere Arbeit,
• wir brauchen ganzjährige Auslastung,
• und gerechte Preise

Wir bieten dafür:
• Zuverlässigkeit,
• Erfahrung,
• Qualität und Know-how,
• Innovationsfähigkeit und
• faire Partnerschaft!

Mit Blick auf den enormen Nachholbedarf bei den Infrastrukturnetzen wird an mich derzeit oft - und das gerade von den jüngeren Kollegen im rbv - die Frage gerichtet: „Nun Herr Lang, kommen jetzt die ‚Goldenen Zwanziger‘ auf uns zu, rollt jetzt der Euro so richtig in unsere Kassen, erfüllen sich jetzt unsere kühnsten Erwartungen?“ Mit dem Wissen, in welchem Absturz der Weltwirtschaft im vergangenen Jahrhundert die „Golden Twenties“ geendet haben, bin ich da sehr zurückhaltend und mahne - jedoch ohne erhobenen Zeigefinger - „wartet mal ab, bleibt ruhig, beobachtet den Markt, handelt klug und besonnen, plant mittel- und langfristig bei Personal und Geräten, baut nicht euphorisch Kapazitäten auf, denn die sind bei einer Konjunkturumkehr oder Abschwächung des Marktes nur sehr teuer wieder abzubauen.

Ja, natürlich, auch ich selbst glaube und bin sehr zuversichtlich, dass wir in den kommenden Jahren sehr viel Arbeit haben werden, dass man uns brauchen wird, jedoch nur bis zu dem Tag, wo Preisdruck und Unterbietung im Wettbewerb uns wieder in die Realität des Unternehmertums zurückholen wird. Es liegt also einzig und allein in unserer Hand. Wir werden gebraucht, aber überschätzen dürfen wir die Situation nicht, und in die Glaskugel kann auch der rbv nicht schauen.

Dies gilt übrigens für alle Teilbereiche und Sparten im Leitungsbau. Hier müssen wir uns noch besser koordinieren! Nur gemeinsam sind wir stark, nur gemeinsam nimmt man uns wahr und hört unsere Anliegen. Schon im letzten Jahr habe ich an dieser Stelle das Beispiel „Brexit“ genannt. Leider haben sich jetzt und ganz aktuell die Befürchtungen über dessen tatsächlichen Eintritt bewahrheitet.
Mal sehen, was schlussendlich für die Briten bei diesem Ausscheren aus der EU und ihrem Alleingang herauskommt. Wir als rbv halten an unserer Aussage fest, dass der Einzelne niemals besser verhandeln kann, als wenn man es gemeinsam tut, aus der Position der Stärke heraus!

Und auch im vor uns liegenden Baujahr 2020 stellen wir als Unternehmer und wir als Verband uns allen Herausforderungen unserer Branche. Wir wollen uns weiterhin stark öffentlich positionieren und unsere Meinung vortragen.

Die 27. Tagung Leitungsbau ist hiermit beendet!
Auf Wiedersehen! Vielen Dank!
Fritz Eckard Lang
Präsident des rbv
Berlin, 29.01.2020


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F +49 221 376 68-60
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