Mit dem „Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft 2025“ geben ATT, BDEW, DBVW, DVGW, DWA und VKU in Abstimmung mit dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund erneut einen aktuellen Überblick der öffentlichen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Deutschland sowie zukünftige Herausforderungen. rbv-Experte Andreas Hüttemann ordnet die wichtigsten Aspekte aus Sicht des Leitungsbaus ein.
„Eine verlässliche Versorgung mit Trinkwasser und eine sichere Entsorgung von Abwasser sind für Deutschland unverzichtbar. Unsere Branche stellt diese Ver- und Entsorgungssicherheit seit Jahrzehnten sicher – und wird dies auch künftig tun. Angesichts der wachsenden Herausforderungen sind erhebliche Investitionen erforderlich, um die Leistungsfähigkeit der Wasserwirtschaft dauerhaft zu erhalten und zu stärken“, erklärten die Repräsentanten der deutschen Wasserwirtschaft kürzlich anlässlich der Übergabe an das Bundesumweltministerium.
Zu den zentralen Herausforderungen zählen Fragen der Trinkwasserqualität, der Umsetzung der Kommunalabwasserrichtlinie in deutsches Recht, der demografischen Entwicklung, des Erhalts der Infrastruktur sowie sich wandelnder rechtlicher Rahmenbedingungen. Hinzu kommt der Klimawandel, der Anpassungsprozesse und neue Lösungsansätze erfordert. Die Wasserwirtschaft steht damit vor der Aufgabe, bewährte Methoden weiterzuentwickeln und gleichzeitig innovative Wege zu gehen, die den Klimaschutz, die Klimaanpassung und die Energiewende berücksichtigen.
Enge Abstimmung betroffener Akteure notwendig
Zudem gewinnen der Schutz der Trinkwasserressourcen vor Stoffeinträgen, die Minimierung von Spurenstoffen wie Pflanzenschutzmitteln sowie der steigende und teils konkurrierende Wasserbedarf in Gesellschaft, Industrie und Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Diese Entwicklungen führen zu Nutzungskonflikten, die eine enge Abstimmung aller betroffenen Akteure erforderlich machen.
Trinkwasserversorger und Abwasserentsorger stellen sich diesen Aufgaben mit flexiblen und angepassten Lösungen vor Ort – in einem zunehmend komplexen politischen Umfeld. Die Herausgeberverbände des Branchenbildes [SB1.1]setzen sich daher dafür ein, dass die Politik die erforderlichen Rahmenbedingungen für die Gewährleistung einer finanzierbaren und nachhaltigen öffentlichen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung schafft.
Die zentrale Botschaft aus Sicht des Leitungsbaus:
Die Wasserwirtschaft steht vor einem langfristigen, investitionsintensiven Umbau ihrer Netzinfrastruktur. Für Leitungsbauunternehmen bedeutet das eine dauerhaft hohe Nachfrage, zugleich aber steigende Anforderungen an Qualität, Geschwindigkeit, Dokumentation, Wirtschaftlichkeit und Resilienz.
Andreas Hüttemann, Bereichsleiter Technik im rbv, ordnet im Kurzinterview die wichtigsten Aspekte des Branchenbilds ein:
Herr Hüttemann, warum bleibt der Leitungsbau in der Wasserwirtschaft langfristig relevant?
Mit mehr als 1,1 Millionen Kilometern Wasser- und Abwassernetzen verfügt die Wasserwirtschaft über eine alternde, vielfach sanierungsbedürftige Infrastruktur. Die Branche investiert bereits heute mehr als 10 Milliarden Euro jährlich in Neubau, Erneuerung und Erhalt – mit steigender Tendenz. Für Leitungsbauunternehmen wird sich daraus voraussichtlich ein langfristig stabiles Marktvolumen für Neubau, Erneuerung, Rehabilitation und Netzumbau.
Welche Veränderungen prägen die Planung und den Bau von Leitungsprojekten?
Klimawandel und politische Rahmenbedingungen verändern die Projekte spürbar. Starkregen und Trockenperioden erfordern klimaresiliente Netze sowie den Ausbau von Verbundsystemen und Fernleitungen. Regenwassermanagement, Schwammstadt-Konzepte und höhere Netzflexibilität gewinnen an Bedeutung. Zugleich sollen Planungs- und Genehmigungsverfahren vereinfacht, digitalisiert und beschleunigt werden: Wasserfernleitungen sollen der Energieinfrastruktur gleichgestellt und die Wasserversorgung als überragendes öffentliches Interesse gestärkt werden. Das führt zu mehr Projekten mit kürzeren Vorlaufzeiten, komplexeren Trassen, größeren Dimensionen und höheren Anforderungen an Bauausführung und Schnittstellenmanagement.
Welche Anforderungen ergeben sich daraus für Leitungsbauunternehmen?
Die Anforderungen steigen in mehreren Bereichen. Die Digitalisierung erhöht den Bedarf an strukturierter Baudokumentation, digitalen Übergaben und klaren Datenstandards, da Betreiber hochwertige Bestands- und As-Built-Daten für Sensorik, Online-Messungen und digitale Zwillinge benötigen. Als kritische Infrastruktur rücken zudem Resilienz, Redundanzen, Schutzmaßnahmen sowie Sicherheits- und Notfallkonzepte stärker in den Fokus. Daneben belasten steigende Bau-, Energie- und Materialkosten sowie der Fachkräftemangel Projekte. Effiziente Prozesse, qualifiziertes Personal und eine saubere Arbeitsvorbereitung werden damit zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
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