Die vom Bundesrechnungshof kritisierte schleppende Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie gefährdet nach Einschätzung des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) das Gelingen der Energiewende. Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Gerald Linke bezeichnete den Sonderbericht des Rechnungshofes als „Weckruf“ und mahnte eine konsequentere, mutigere und wirksamere Wasserstoffpolitik an.

„Nur mit Wasserstoff und der Deckung des Energiebedarfs durch Moleküle wird es eine Energiewende und damit auch Klimaneutralität geben“, betonte Linke. Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft sei kein Selbstzweck: „Wasserstoff ist als klimaneutraler Energieträger in einigen Anwendungsbereichen, etwa der Primärstahlerzeugung, unverzichtbar. Wenn die Energiewende gelingen soll, dann muss Wasserstoff zur Anwendung kommen. Es gibt technologisch in absehbarer Zeit keine Alternative.“

2025 Wasserstoffstrategie kleinDer DVGW teilt die Einschätzung, dass die bisherigen Maßnahmen zum Markthochlauf nicht ausreichen, um das Ziel von mindestens 10 GW Elektrolyseleistung bis 2030 zu erreichen. Neben dem Abbau bürokratischer Hürden und dem Schließen regulatorischer Lücken sei eine Anpassung der Gas-/H₂-Richtlinie in nationales Recht notwendig. Eine serielle Produktion von Elektrolyseuren könne zudem zur Kostensenkung beitragen.

Kritisch sieht der Verband die Forderung des Bundesrechnungshofes, das geplante Wasserstoff-Kernnetz erneut zu überprüfen. Der Aufbau des Netzes bis 2032 sei richtig und dürfe nicht zum Hemmnis werden. Änderungen am Regelwerk würden ein „fatales Signal“ an Investoren senden.

Der Rechnungshof stellt nach Einschätzung des DVGW richtig heraus, dass es für Gaskraftwerke eine Perspektive mit Wasserstoff geben muss. Diese bilden demnach einen wichtigen Anwendungsbereich von Wasserstoff und tragen zum Aufbau der Wasserstoffwirtschaft bei. Um zu Beginn der Hochlaufphase Kosten zu dämpfen, komme kohlenstoffarmem blauem und türkisem Wasserstoff eine zentrale Bedeutung zu.

Abschließend appellierte Linke an die Politik: „Deutschland und die Europäische Union täten gut daran, sich den internationalen Realitäten zu stellen, regulatorische Hemmnisse abzubauen und sich bei der Transformation der internationalen Schrittgeschwindigkeit anzupassen, um nicht vollständig den Anschluss zu verpassen und infolgedessen wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität zu gefährden.“

Foto: shutterstock, Scharfsinn


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