Wie in jedem Jahr blicken wir im Sommer auf einen regel-rechten Messemarathon zurück. Oldenburg, Göttingen, Siegen, Kassel, Würzburg, Nürnberg, München und Berlin heißen einige der Veranstaltungs-orte, die einem spontan einfallen, wenn es um die etablierten Events im Tief­ und Leitungsbau oder der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung geht.

Viele Unternehmen und Verbände nutzen die Gelegenheit, um ihre Arbeit und Leistungsstärke zu präsentieren oder neue Produkte und Verfahren vorzustellen. Neue Kunden sollen gewonnen und weitere Mitglieder generiert werden – das ist letztlich das Ziel der meist enormen Anstrengungen der Aussteller, die sich vor allem in finanziellem und zeitlichem Engagement nieder­ schlagen. Doch lohnt sich das alles?
Fakt ist: Wer nicht teilnimmt, hat meist schon ein Imageproblem. Haben die kein Geld mehr? Geht es denen schlecht? Diese – meist haltlosen – Mutmaßungen werden mit schöner Regelmäßigkeit in den Raum gestellt, wenn ein bekannter Name auf der aktuellen Ausstellerliste fehlt. Bei einem genaueren Blick hinter die Kulissen stellt man schnell fest, dass die meisten Unternehmen und Verbände mittlerweile sehr genau Aufwand und Nutzen einer Messebeteiligung abwägen. Und das trotz der traditionell über-schwänglichen Abschlussberichte der jeweiligen Veranstalter. Noch mehr Aussteller und noch mehr Fachbesucher als im letzten Jahr – diese Kurve kann nicht über Jahrzehnte nur steil nach oben zeigen.

Auch die Besucher und damit die Aussteller­ Zielgruppen aus Behörden, Ämtern, Ingenieurbüros und ausführenden Unternehmen hinterfragen die Sinnhaftigkeit eines Messebesuches inzwischen sehr genau. Denn die Zeit ist mittlerweile ebenso knapp bemessen wie die Budgets. Und das gilt für beide Seiten. Fachgespräche rund um die Uhr und allzeit volle Messehallen – die Veranstalter mögen es verzeihen – sind heute kein Selbstläufer mehr.

Hinzu kommt: Bei den hohen Frequenzen fehlt es oft auch an den ent-sprechenden Themen und Inhalten. Was soll man auch im Monatsrhythmus Neues präsentieren? Dafür sind die Innovationszyklen einfach zu lang.

Gut beraten sind also die, die gezielt auswählen. Man muss nicht auf jeder Veranstaltung Flagge zeigen. Welche Region ist für meinen Auftritt der beste? Wo erreiche ich die für mich wichtigen Ansprechpartner? Welche Messe bildet für meinen Auftritt branchentechnisch den konkret auf mein Unternehmen zugeschnittenen Rahmen? 

Das zu hinterfragen hat Sinn und schont das Budget. Die Messegesell-schaften werden damit umgehen können und die Absage eines Unter-nehmens vielleicht auch als Anregung verstehen, um eingefahrene Konzepte auf den Prüfstand zu stellen.

Dieter Hesselmann,

Geschäftsführer Rohrleitungsbauverband e.V.


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