Wie kann ein schneller und hochwertiger Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland gelingen?
Als hochentwickelte Industrienation ist Deutschland in den nächsten Jahren darauf angewiesen, eine leistungsfähige Kommunikationsstruktur aufzubauen.

2019 Glasfasernetz verkleinertDas dafür neu zu errichtende Glasfasernetz stellt die Nervenbahnen der Digitalisierung dar und hat einen entscheidenden Anteil am Internet der Dinge, an zukünftigen Produktionsverfahren, einer intelligenten Logistik und am autonomen Fahren. Der Hauptverband der deutschen Bauindustrie e. V. (HDB) und der Rohrleitungsbauverband e. V. (rbv) haben die in diesem Zusammenhang wichtigsten Leitgedanken und Zielsetzungen in einer gemeinsamen Argumentationshilfe zusammengestellt.

Neue Infrastruktur im Eiltempo

Die enorme Bedeutung des Glasfasernetzes korrespondiert mit dem gewaltigen Aufwand, der zu leisten ist, um die Kabel nachhaltig in die Erde zu bringen. Über das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland soll innerhalb weniger Jahre ein neues Netz gelegt werden. Neben den schon vorhandenen Leitungssystemen für Gas, Trink­ und Abwasser, Fernwärme oder Strom gibt es dann ein digitales Lichtnetz – mit dem wichtigen Unterschied, dass all die anderen Netze in Jahrzehnten entwickelt und gebaut worden sind. Diese Zeit gibt man der Glasfaser nicht.

Hindernisse im Ausbau

Aus dem daraus entstehenden Zeitdruck resultieren vielerlei Probleme, da alle an der Mammutaufgabe „schnelles Internet“ beteiligten Gruppierungen zum einen nicht die Kapazitäten haben oder zur Verfügung stellen, die für die Bewältigung dieser Herkulesaufgabe notwendig sind. Zum anderen muss zunächst weiträumig Know­how aufgebaut werden, da neue Techniken auch neues Wissen erfordern. Im Einzelnen muss auf folgen­ de Gegebenheiten Rücksicht genommen werden:

• Fehlende personelle Kapazitäten und mangelndes Know­how bei Kommunen, Planern und Telekommunikationsunternehmen.

• Zeitgleiche Abwicklung weiterer Großprojekte, wie zum Beispiel der 2.000 Kilometer umfassenden Höchstspannungstrassen zur Verteilung des Windstroms oder der Gas­Anbindungspipeline EUGAL zur North­Stream II.

• In vielen Bereichen des Leitungsbaus für Gas, Trinkwasser, Strom oder Abwasser wurde jahrzehntelang ein Berg notwendiger Investitionen aufgetürmt, der zeitgleich abgearbeitet werden muss.

• Die nicht vorhandene Steuerung der Fördermittel der Bundesregierung für den Glasfaserausbau führt dazu, dass vier Milliarden plus X Euro in einen ohnehin fast gesättigten Markt fließen.

• Von den Telekommunikationsunternehmen und Kommunen werden die benötigten Investitionsmittel zum Glasfaserausbau regelmäßig nicht zur Verfügung gestellt oder zurückgenommen.

Optimierung der Ressourcen

Um einen schnellen Ausbau des Glasfasernetzes zu gewährleisten, gilt es einigen Aspekten besonders Rechnung zu tragen. So müssen auf öffentlicher Seite wieder und weiter Planungskapazitäten aufgebaut werden. „Kapazitätsaufbau“ und „verbesserte Aus­ schreibungsunterlagen“ sind Themen, derer sich auch die Breitbandversorger annehmen müssen. Generell ist festzustellen, dass allzu oft eine ganzheitliche, strategische Herangehensweise für den flächendeckenden Breitbandausbau fehlt und Genehmigungs-
verfahren immer noch zu lange dauern. Auch werden einzelne Bauaktivitäten unzureichend miteinander koordiniert.

Zwar existiert mit dem DigiNetz­Gesetz ein erster Aufschlag für eine bessere Koordinierung und die Pflicht zur Mitverlegung von Leerrohren, in der Praxis wird dies aber noch viel zu wenig gelebt. Und genauso oft bleiben grundlegende Qualitätsstandards unberücksichtigt. Die aktuell diskutierten untiefen Verlegeverfahren, Stichwort „Trenching“ beispielsweise, sind Nischen­ verfahren, die ihre Wirkung nur in einem sehr begrenzten technischen Rahmen entfalten können. Werden diese Bedingungen verlassen, drohen den Baulastträgern kostenintensive Spätschäden an ihren wertvollen Oberflächen. Zudem kann es bei der Erneuerung der Oberflächen zu Beschädigungen an Kabeln kommen. Leitungsgebundene Infrastrukturen stellen ein hohes gesellschaftliches Gut dar, das nicht gefährdet werden darf. Zu Arbeiten an diesen Systemen sollen daher nur Bauunternehmen zugelassen werden, die die entsprechende Eignung nachgewiesen haben.

Verbesserung der Zusammenarbeit

Viel kann auch in der Zusammenarbeit zwischen Auftraggeber und Leitungsbauunte-
rnehmen verbessert werden, um Menschen und Maschinen effizient einzusetzen. Auftraggeber und deren beauftragte Ingenieurbüros sollten ihre Leitungsbauunternehmen so früh wie möglich in die Planung einbinden. Dies verhindert einerseits schwerwiegende Planungsfehler und ermöglicht andererseits den Bauunternehmen, ihre Kapazitäten zu planen und zeitgerecht zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus wird durch die rechtzeitige Einbindung der Leitungsbauunternehmen der Auftragsgegenstand eindeutiger festgelegt. Auftraggeber und Auftragnehmer gelangen so zu einer identischen Auslegung des Bau­Solls. Auch bei der Fachkräfteakquisition sollte vielerorts ein höheres Maß an Vernunft walten. Immer häufiger geraten Mitarbeiter von Fachunternehmen in den Fokus von Auftraggebern. Da der Markt an Fachkräften derzeit unter Druck steht, ergibt so ein Verhalten selten Sinn. Der Auftraggeber entzieht seinem Auftragnehmer Kapazitäten.

Der Glasfaserausbau ist eine gewaltige Herausforderung. Er benötigt kluge politische Entscheider, engagierte Auftraggeber, sorgfältige Planer, erfahrene Leitungsbau-
unternehmen und qualifizierte Verfahren. Arbeiten wir in dieser Mischung gemeinsam und vertrauensvoll zusammen, werden wir in wenigen Jahren eine leistungsfähige digitale Infrastruktur für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort Deutschland besitzen. (rbv/ HDB)

Die vollständige Argumentationshilfe finden sie finden Sie hier auf der Website des rbv:

Abbildung: shutterstock_1039172032


Kontakt

Rohrleitungsbauverband e. V.
Marienburger Straße 15
50968 Köln

T +49 221 376 68-20 
F +49 221 376 68-60
E-Mail: info@rohrleitungsbauverband.de

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