Rohrleitungsbauverband

ERÖFFNUNGSREDE ANLÄSSLICH DER RBV-JAHRESTAGUNG IM MAI 2011 IN BERLIN VON DIPL.- ING. KLAUS KÜSEL

31.05.2011 - Die Jahrestagung des deutschen Rohrleitungsbauverbandes ist ohne eine Stellungnahme zu den energietechnischen Umwälzungen – wie ich denke – nicht möglich.

Noch im Januar haben wir uns auf der 18. Tagung Rohrleitungsbau mit dem angestrebten Paradigmenwechsel in der Versorgungswirtschaft beschäftigt. Mit den kaum vorstellbaren nationalen Aufgaben, die der Wunsch hervorbringt, den Anteil der erneuerbaren Energien am Energie-mix von 16 auf 30 % zu steigern. Seit „Fukushima“ scheinen selbst die futuristischsten Gedanken überholt. Wir lesen jetzt schon von 36 % erneuerbarer Energie bis 2020 und dem kompletten Atomausstieg bis 2018. Die damit wie selbstverständlich zu bauenden Netze erstrecken sich dann durch ganz Deutschland, ja ganz Europa, da unser Land vom Energielieferanten zum Energiebezieher wird.

Gestern lasen wir noch von 20 Mrd. Investitionen in die Höchstspannungs-netze und 20 Mrd. in die Ortsnetze. Heute lesen wir von 200 Mrd. Investi-tionen in die europäischen Netze in nur 10 Jahren. Der Paradigmenwech-sel in der Energiepolitik wird damit auch in der gesamten Versorgungs-wirtschaft gravierende Auswirkungen haben.

Während sich die Energiekonzerne auf die Offshore-Windparks und europäische Beteiligungen an der Energiegewinnung konzentrieren, werden die kommunalen Versorger zu örtlichen energietechnischen Schwergewichten.

Damit werden neben den gewaltigen Aufgaben, die die Stromnetze uns stellen, auch die Gasversorgung, die Fern- und Nahwärme sowie Gas-kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung in den Mittelpunkt rücken. Mit der dann erforderlichen Steuerung sogenannter „intelligenter Netze“, der „smart grids“, ist die Verlegung der Breitband-Glasfaserleitungen ein unbedingtes „muss“, um Entnahme und Einleitung von Energie an allen Orten zu steuern, zu lenken, ja überhaupt erst zu ermöglichen.

Meine Damen und Herren,
über allem stehen die Netze!


Wirkt es nicht geradezu wie ein schlechter Witz, dass ausgerechnet hier in den letzten 10 Jahren am wenigsten investiert wurde? Jetzt rächt sich die falsche Sichtweise, Investitionen in die Netze der nächsten Generation zu überlassen! Seit 10 Jahren, seit „Infrastruktur in Not“, hat der rbv immer wieder auf diesen gravierenden Mangel hingewiesen und wurde nicht immer mit freundlichen Worten bedacht. Aber wir wollen nicht zurück, sondern nach vorn blicken.

Bereits auf der 18. Tagung Rohrleitungsbau habe ich hier in Berlin gesagt: „Reden und Abwarten war gestern!“. „Initiative ergreifen“ ist das Stichwort für die Gestaltung der Zukunft. Dies gilt in ganz besonderem Maße auch für uns, für die Leitungsbauer der Zukunft. Wer unsere Tagungen in Berlin von der 11. bis zu 18. Tagung verfolgt hat, den Prozess der Wandlung unseres Aufgabenfeldes verinnerlicht und in seiner Firma umgesetzt hat, der wird in diesen Tagen erkennen, wie notwendig und weitsichtig die strategische Öffnung zum gesamten Leitungsbau jetzt ist.

Auf die Mittelstandsunternehmen des deutschen Leitungsbaus werden gravierende Aufgaben zukommen, die zu einer noch ungeahnten Heraus-forderung werden in Bezug auf Struktur, Personal und ingenieurtech-nischer Leistungsfähigkeit.

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