Rohrleitungsbauverband

ES WIRD ZEIT FÜR DIE ZUKUNFT!

Editorial von Dipl.-Ing. Klaus Küsel in der bbr Ausgabe 10/2009

15.10.2009 -


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

hat die Versorgungswirtschaft mit der Regulierungsbehörde ihren Frieden gefunden oder sich zumindest arrangiert? Es fällt seit einiger Zeit auf, dass mittelstän-dische Versorger nicht mehr von ihrem betriebswirtschaftlichen Ende und einer totalen Investitionssperre sprechen, sondern sich den Zukunftsthemen wie dem demogra-fischen Wandel, Konzepten zukünfti-ger Energie- und Wärmemärkte sowie ihrem derzeitigen und zukünftigen Anteil daran widmen.

Der bdew-Kongress im Juni dieses Jahres in Berlin hat mit seinen Vorträgen, Foren und Diskussionen auch zukunftsorientierte Themen besetzt, die den Blick auf langfristige Strategien und neue Orientierung lenkten. Einige dieser Themen werden uns in den nächsten Jahren beschäftigen. Demografischer Wandel, Wärmeverordnung und Niedrig-energiehäuser werden den weiteren Ausbau der Gasversorgungsnetze in Frage stellen. Einige Experten sind der Ansicht, dass durch neue Pipeline-Projekte die Gasversorgung Europas sicher wird. Dieses Gas solle aber hauptsächlich für den Ausbau weiterer Gaskraftwerke genutzt werden. Die Wärmeversorgung der Haushalte mit Gas würde dann nicht mehr aktiv betrieben. Für den Leitungsbau wäre dies ein grundlegender Richtungs-wechsel.

Ähnliche Bedeutung kommt dem von den großen Versorgungskonzernen beschlossenen massiven Ausbau der Windenergie zu.Voraussetzung ist der Bau überregionaler Hochspannungsleitungen von der Küste zu den Verbrauchsregionen. Dazu werden auch die Varianten erdverlegter Hoch-spannungsnetze weiterentwickelt werden müssen.Die Diskussion ist längst entbrannt, ob nicht der Ausbau dieser Netze zur Restwärmever-sorgung energiesparender Neubauten reichen würde.

Die Bundeskanzlerin hat generellen energiepolitischen Glaubenskämpfen ein klares Bekenntnis zum Energiemix für Deutschland entgegengesetzt: Ausbau der Windenergie, Bau CO2-reduzierter Kohlekraftwerke, Verlänge-rung der Laufzeiten für bestimmte Atommeiler.Diese Aussagen sind mehr als wichtig, damit wir Leitlinien zukünftiger Versorgung erkennen und langfristige Investitionen getätigt werden können. Kraftwerksbauer, Armaturenhersteller, Rohrhersteller und Leitungsbauer müssen ihre Investitions- und Ausrichtungsstrategien aus zuverlässigen politischen Aussagen ableiten können.

Für uns als Leitungsbaubranche zeichnet sich ein immer deutlicherer Weg ab.Der Energiemix wird regional wie landesweit zu unterschiedlicher Ausrichtung künftiger Investitionstätigkeiten führen. Ein verminderter Ausbau der Ga netze, die Verstärkung der Fernwärme in Kraftwerksnähe, Geothermie und regenerative Energien zur Wärmegewinnung, aber auch ein zunehmender Blick auf die seit Jahren nicht mehr getätigten
Investitionen in die Stromnetze, werden uns beschäftigen. Der Leitungs-bauer der Zukunft wird sich deshalb dem gesamten Leitungsbau stellen müssen. Will er Dienstleister sein und Verantwortung für Teilbereiche der Versorgung übernehmen, muss er sich – wie die Versorgungswirtschaft selbst – von herkömmlichen Modellen lösen.

Der Bürger will eine bezahlbare Wärmeversorgung und eine sichere, störungsfreie Stromversorgung. Diese Forderung gewinnt einen höheren Stellenwert als die Energieart der Versorgung. Wer als Anbieter oder gleichlautend als Dienstleister nur noch Teilbereiche der Versorgungs-technik abdeckt, wird zum Nischenanbieter. Dies gilt auch für die Verbände der Leitungsbauer, die erkennen, dass der Leitungsbau eine umfassende
Gesamtaufgabe darstellt.

Dipl.-Ing. Klaus Küsel
Präsident des Rohrleitungsbauverbandes e. V.

Quelle: bbr Fachmagazin für Brunnen- und Leitungsbau Ausgabe 10/2009

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