03.11.2011 - Die beschlossene Energiewende – allem voran der stufen-weise Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022, verbunden mit den ehrgeizigen Ausbauzielen für die erneuerbaren Energien – ist ohne einen gleichzeitigen Ausbau der deutschen Energienetze nicht realisierbar. Die zwölf deutschen Erdgas-Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) leisten mit ihrer bedarfsgerecht ausgebauten und hoch verfügbaren Erdgasinfrastruktur einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Energieversorgung. Vor dem Hintergrund der zukünftig benötigten Transportkapazitäten für Erdgas erarbeiten die FNB in enger Abstimmung mit der Bundesnetzagentur jährlich einen Netzentwicklungsplan, erstmals wird dieser am 1. April 2012 veröffentlicht.
Die von der Prognos AG im Vorfeld erarbeitete Studie enthält drei Szena-rien des deutschen Gasbedarfs, die als Grundlage und Rahmen für die Modellierung der Gasflüsse im deutschen Gasnetz in den nächsten 10 Jahren dienen. Auf Basis dieser Berechnungen werden die FNB den Netzentwicklungsplan Gas 2012 für den Zeitraum 2013 bis 2022 für das deutsche Gas- Fernleitungsnetz erstellen. Auf Wunsch der Bundesnetz-agentur wurde eine Verbindung zum Szenariorahmen der Übertragungs-netzbetreiber (Strom) hergestellt. Das Erdgasnetz hat das Potenzial, über Umwandlungsprozesse als Speicher für regenerativ erzeugten über-schüssigen Strom zu dienen. Es kann so eine wesentliche Funktion beim anstehenden Umbau der Energieversorgung und bei der effizienten Nutzung der Energieinfrastruktur übernehmen. Zusätzlich werden Grund-überlegungen zur Konzeption eines Szenarios mit Versorgungsstörungen angestellt.
Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung lassen sich wie folgt zusammenfassen. Die angegebene Bandbreite der Ergebnisse bezieht sich jeweils auf die drei Szenarien: Der Gasbedarf in Deutschland ist rückläufig. Von 2009 bis zum Jahr 2022 erwarten wir einen Rückgang des Gasbedarfs über alle Branchen um 13 % (Szenario II) bis 25 % (Szenario III). Ab 2023 wird sich dieser Trend fortsetzen, wenn auch in abgeschwäch-ter Form. Der Endverbrauch an Erdgas sinkt vor allem in der Gebäude-beheizung durch verbesserte Wärmedämmung und Energieeffizienz. Die Verwendung von Gas in Kraftwerken sinkt in allen Szenarien bis 2015, nimmt danach aber in Szenario I und II wieder zu, da Erdgaskraftwerke durch ihre Flexibilität in der Lage sind, im Strommarkt die schnell wach-senden Anteile fluktuierender erneuerbarer Energieträger zu ergänzen.
Die Förderung von Erdgas in Deutschland wird durch die voranschreitende Erschöpfung der heimischen Gasquellen ebenfalls zurückgehen. Die Biogaserzeugung mit Einspeisung ins Erdgasnetz wird im Betrachtungs-zeitraum bei weitem nicht die gleiche Größenordnung erreichen wie die heutige konventionelle Erdgasförderung. Insgesamt wird bereits bis 2015 ein um 11 bis 15 % sinkender Gas-Importbedarf erwartet, der aber danach wieder steigt und bis zum Jahr 2032 lediglich 2 bis 3,5 % unter dem Ausgangsniveau des Jahres 2009 liegen dürfte. Marktteilnehmer konnten bis zum 9. September 2011 durch eine Stellungnahme die Annahmen des Szenariorahmens kommentieren. Alle eingereichten Stellungnahmen wurden nach dem Ablauf der Einreichungsfrist der BNetzA gem. § 15a EnWG zur Bewertung und Einarbeitung in den Szenariorahmen übermittelt. Basierend auf dem konsolidierten Entwurf erfolgt nach Genehmigung der Bundesnetzagentur, ab dem 1. Oktober 2011 bis zum 1. Januar 2012 die Erstellung des Netzentwicklungsplans. Der Plan wird im Februar 2012 konsultiert und in der finalen Version am 1. April 2012 veröffentlicht. (LRO).
Weitere Informationen unter
www.netzentwicklungsplan-gas.de
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