Rohrleitungsbauverband

17. TAGUNG ROHRLEITUNGSBAU IN BERLIN

22.02.2010 - Für die Zukunft gerüstet: rbv und HDB mit klaren Konzepten

„Es wird Zeit für die Zukunft“ lautete die klare Botschaft von rbv-Präsident Dipl.-Ing. Klaus Küsel, der am 26. und 27. Januar die 17. Tagung Rohr-leitungsbau von Rohrleitungsbauverband e. V. (rbv) und Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. (HDB) in Berlin moderierte. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen auf dem Versorgungsmarkt müssen sich Verbände und Unternehmen neu orientieren: Hierin waren sich die rund 180 Teilnehmer, darunter Geschäftsführer der Mitgliedsunternehmen, Verantwortungsträger aus Tief- und Leitungsbauunternehmen sowie Fachleute aus dem Bereich „Zertifizierungen im Leitungsbau“ und Netz-dienstleister, einig.

Die vollständige Rede von Präsident Küsel finden Sie hier zum download

Eine Aufgabe, die alle Beteiligten vor hohe Herausforderungen stellt: Das machten die Referenten in ihren Vorträgen deutlich, die sich schwer-punktmäßig mit dem Strukturwandel in der Bauwirtschaft, der energie-politischen Entwicklung in Deutschland sowie mit möglichen Strategien von Verbänden und Leitungsbauunternehmen beschäftigten. Gerade die ausführenden Unternehmen befinden sich in einem Spannungsfeld von sinkenden Erträgen, notwendigen Investitionen, zögerlichen Bank-Partnern und fehlenden Fachkräften. Hier setzt die Arbeit der Verbände an. Mit klaren Konzepten ebnen rbv und HDB ihren Mitglie-dern den Weg für die notwen-dige Neuausrichtung. Dabei stehen die Bündelung der Kräfte im Leitungs-bau, eine Beendigung der Zersiedelung im Verbandswesen, eine Zusammenfassung der Zertifizierungen, die Stärkung des Weiterbildungs-konzeptes sowie eine zielorientierte Öffentlichkeitsarbeit im Fokus.

Klare Konzepte für die Rohrleitungsbaubranche:
rbv-Präsident Dipl.-Ing. Klaus Küsel und HDB-Hauptgeschäftsführer RA Michael Knipper (v.li.) auf der 17. Tagung Rohrleitungsbau in Berlin.















Knipper setzt auf Kooperation

Die Investitionsbereitschaft der Auftraggeber und die Anforderungen an die Leitungsbauer haben sich geändert – auch das war ein Tenor der 17. Tagung Rohrleitungsbau. Nach langjähriger Rezession und einem scheinbaren Aufschwung trat im Vorjahr die weltweite Finanzkrise ein. Und das mit gravierenden Auswirkungen auf die Bauwirtschaft.

Auf „Chancen und Risiken“ wies HDB-Hauptgeschäftsführer Michael Knipper in seinem Vortrag über die „Strukturentwicklung der Bauwirtschaft in der Konjunktur-krise“ hin. „Einem zu befürchtendem Anstieg von Staatsverschuldung, Arbeitslosenzahlen, Rohstoff- und Energiepreisen, der Investitionszurückhaltung der Industrie und einer möglichen Kredit-klemme für Baufirmen stünden weltweit moderates Wirtschaftswachstum, zunehmender Export und mögliche Steuerentlastungen in Deutschland sowie Konjunkturprogramme im Öffentlichen Bau gegenüber“, führte Knipper aus.

Hoffnung setzte der Redner insbesondere in zinsgünstige KfW-Kredite für kommunale Infrastrukturinvestitionen, die Aufstockung des KfW-Programms zur Co2-Gebäudesanierung, Investitionen des Bundes in Verkehrswege und Bundesbauten und kommunale Investitions-programme für Bildung und Infrastruktur. Mit einem Blick auf den Leitungsbaumarkt 2010 forderte Knipper einen massiven Einsatz für den Ausbau der Breitbandnetze, für die eine Zusage der Bundesregierung vorliege sowie den Bau und Anschluss von Offshore-Windparks. „Erreicht werden kann das allerdings nur, wenn rbv und HDB die gemeinsame Lobbyarbeit für den Leitungsbau gezielt vorantreiben“, so Knipper weiter.

Bei dieser Gelegenheit forderte er ein kompromissloses Bekenntnis zum so genannten „Berliner Abkommen“ aus dem Jahr 2008, bei dem der rbv die Geschäftsführung der Leitungsbaugremien des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) übernommen hatte. Seit der hierbei vereinbarten Aufgabenteilung zwischen rbv (technisch-wissenschaftliche Interessenvertretung) und HDB (wirtschaftspolitische Interessenvertretung) engagiert sich der rbv neben seinen bisherigen Aufgaben verstärkt darin, über die wirtschaftliche Entwicklung auf dem Gebiet des Leitungsbaus zu unterrichten, bei der Überarbeitung des technischen Bauvertragsrechts im Leitungsbau die Interessen zu koordinieren, um Nachwuchs zu werben und den Leitungsbau in wirtschaftspolitischen Fragen gegenüber Bundes-behörden, Bundesorganisationen und Monopolauftraggebern zu vertreten.

Heute Weichen für morgen stellen

Roger Kohlmann, Mitglied der Geschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW), machte in seinem Vortrag über die „Energiepolitische Entwicklung in Deutschland“ ebenfalls deutlich, das man heute die Weichen für morgen stellen müsse, da die Energiewirtschaft vor einschneidenden Veränderungen stehe. „Unabhän-gig von der aktuellen Bewältigung der Wirtschaftskrise müssen in den nächsten Jahren dringend politische und gesellschaftliche Entschei-dungen getroffen werden, damit bis 2020 die Grundlagen für eine nachhaltige Energieversorgung in einer globalisierten Welt bis zur Mitte diese Jahrhunderts geschaffen sind“, so Kohlmann.

Diese Entwicklung zwingt auch die Leitungsbauun-ternehmen zum Umdenken. Die sich ändernden „Anforderungen an den Leitungsbauer als Dienstleister“ stellte Dr.-Ing. Georg Grunwald, Technischer Vorstand der Berliner Wasserbetriebe in seinem Beitrag vor. Unter anderem anhand von Kennzahlen aus dem Bereich der Trinkwasserversorgung und der Abwasserentsorgung sowie der Bedarfsentwicklung und dem Verbrau-cherverhalten auf Grundlage der demografischen Entwicklung skizzierte Grunwald das Berufsbild des Leitungsbauers von morgen. Wichtige Bausteine für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens sind nach Aussage Grunwalds „neben der Qualität der Ausführung und der Qualifikation der Mitarbeiter vor allem ein hoher Standard bei der Arbeitssicherheit sowie eine verbesserte Kundenorientierung und eine ständige Modernisierung von Technik und Produkten.“

Banktechnische und juristische Kenntnisse wichtig

Hier sind die Leitungsbauunternehmen gefordert – und das trotz schwieriger Rahmenbedingungen in Form von konjunktureller Flaute, leerer Kassen der öffentlichen Hand, steigender Insolvenzen, weiter rückläufigem Bauvolumen, restriktiver Kreditvergabe, Rating und Basel II. Vor allem seit der Bankenkrise unterliegen die Finanzmärkte einem Wandel. „Vermögensverluste haben das Eigenkapital vieler Banken reduziert“, erläuterte Christoph Holtfort von der Stadtsparkasse Köln/Bonn. Die Folge ist ein eingeschränkter Kreditspielraum. „Hinzu kommt: Unternehmen, die unter der Wirtschaftskrise leiden, laufen Gefahr, ein schlechteres Rating zu bekommen“, so Holtfort weiter. Die Beschaffung von Geldmitteln wird deshalb für viele mittelständische Unternehmen zunehmend zu einer Existenzfrage.

Holtdorf erhob das Thema Rating deshalb dringend zur Chefsache und empfahl den Unternehmern vor allem eine professionelle Präsentation bei anstehenden Ratinggesprächen. Dass darüber hinaus auch juristische Kenntnisse unerlässlich sind, insbesondere, wenn es um die bauunter-nehmerische Vertragsgestaltung oder haftungsrechtliche Fragestellungen geht, machten Prof. Dr. Axel Wirth von der TU Darmstadt in seinem Vortrag über „Vertragsmanagement: Die Juristen – die ungeliebten Stiefkinder“ und Rechtsanwalt Oliver Zander vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie mit seinem Referat über die „Realität des Lohngefüges in der Bauwirtschaft – Stellenwert des Tarifvertrages“ deutlich.

Unternehmen und Verbände gefordert

Für die Anpassung an die Veränderungen des Marktes müssen sich die Leitungsbauunternehmen weiterentwickeln. Das gleiche gilt allerdings auch für die Verbände – so der Tenor des Beitrages von Dipl.-Psychologe Claus Philippi, B'VM Beratergruppe für Verbands-Management, über „Das Zukunftsmodell rbv, Die Strategie der Verbände im Leitungsbau“. „Um seinen Zweck für seine Mitglieder auch in Zukunft möglichst optimal erfüllen zu können, muss sich jeder Verband in größeren Abständen kritisch mit sich selbst auseinandersetzen“, lautet eine der Forderungen Philippis. Hier geht der Rohrleitungsbauverband mit mächtigen Schritten voran, vor allem was den Nutzen für die Mitglieder angeht. „Im Interesse seiner Mitglieder ist es notwendig, dass sich der rbv durch eine Satzungs-änderung für Mitglieder aus anderen Sparten des Leitungsbaus öffnet“, so Philippi weiter. Darüber wird beim rbv intensiv diskutiert.

Das Ergebnis soll, – so die Planung – der Mitgliederversammlung im April in Würzburg präsentiert werden. Mit einer neuen Fassung, die neben der Zertifizierung nach GW 301 weitere Qualitätszeichen als Voraussetzung für eine Mitgliedschaft im rbv zulässt, könnte der Verband eine noch breitere Basis für die Arbeit an der „Gesamtaufgabe Leitungsbau“ schaffen. Eine Öffnung der Mitgliedschaft im rbv für den gesamten Leitungsbau wäre nicht nur nach Meinung von Philippi der erste wichtige Schritt für eine notwen-dige Optimierung des Leistungsangebots für jedes einzelne Mitglied, für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Verbandes selbst, für eine Stärkung des Leitungsbaus in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik sowie für ein zukünftiges „Zertifikat Leitungsbau“ aus einer Hand.

Es wird Zeit für die Zukunft – hierin waren sich die teilnehmenden Geschäftsführer der Mitglieds-unternehmen, Verantwortungs-träger aus Tief- und Leitungs-bauunternehmen sowie Fachleute aus dem Bereich „Zertifizierungen im Leitungsbau“ und Netzdienst-leister einig.

Die Wichtigkeit dieser Schritte – auch mit Blick auf unsere europäischen Nachbarn und die globale Entwicklung unterstrich Dipl.-Ing. Jörn Winkels von der Mannesmann Line Pipe GmbH, in seinem Beitrag über „Die konjunkturelle Situation der Hersteller im Leitungsbau; Europäische Marktsituation“. Ebenso wie Jens Hobohm, Prognos AG Marktfeldleiter Energie & Wasser, der die „Trendstudie Energiemarkt 2020 mit Ausblick auf 2030“ vorstellte. „Der Markt wird schwieriger, neue Chancen ergeben sich durch den Ausbau von Energiedienstleistungen, das Engagement in neue Technologien und die Optimierung von Kostenstrukturen und Beschaffung“, so sein Fazit.


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