22.10.2010 - „Deutschland wird bis 2030 auf einen begrenzten Zubau von Braunkohle-, Steinkohle- und Gaskraftwerken nicht verzichten können, auch wenn die erneuerbaren Energien planmäßig ausgebaut und die Laufzeiten der Kernkraftwerke verlängert werden.“ Zu diesem Ergebnis kommt der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie Dipl.-Ing. Herbert Bodner anlässlich der Vorstellung eines Gutachtens des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zum Thema „Kraftwerksbau als Chance für die Bau- und Baustoffwirtschaft“ im Rahmen eines energie-wirtschaftlichen Symposiums von Bau- und Baustoffindustrie in Berlin.
Selbst wenn es zu einer Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke von zwischen 8 und 15 Jahren käme, wäre bei einem moderat steigenden Stromverbrauch allein als Folge der altersbedingten Stilllegung von Kraftwerken bis 2030 eine Energielücke von 21.600 bis 31.400 MW zu schließen. Dies hätte Investitionen von 30 bis 40 Mrd. Euro zur Folge, davon – konservativ geschätzt – 3 bis 5 Mrd. Euro für Rohbaumaßnahmen.
Die Zukunft gehöre zweifellos den erneuerbaren Energien, stellte Bodner fest. Das von der Bundesregierung vorgelegte Tempo sei allerdings anspruchsvoll. Allein die geplanten 40 Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee stünden – wie die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept selbst feststellt – für ein Investitionsvolumen von 75 Mrd. Euro. Um die erneuerbaren Energien erfolgreich zu integrieren, müssten gleichzeitig zusätzliche tromspeicherkapazitäten geschaffen werden, z. B. durch den Bau zusätzlicher Pumpspeicherkraftwerke. Darüber hinaus müsse der Aufbau eines deutschlandweiten Netzes von „Stromautobahnen“ zügig in Angriff genommen werden, um die Windenergie aus Nord- und Ostsee in die Verbrauchszentren Süd- und Westdeutschlands zu transportieren.
Für die deutsche Bauindustrie biete der Ausbau der erneuerbaren Energien – neben der Modernisierung des konventionellen Kraftwerks-bestandes – eine weitere Chance, sich als Partner für den Klimaschutz zu positionieren, erläuterte Bodner. Die Branche sehe dabei eine Aufgabe in der Entwicklung und dem Bau von Fundamenten für Offshore-Windparks. Dahinter stehe ein Bauvolumen, das 30 bis 40 % des gesamten Investi-tionsvolumens, also etwa 20 bis 30 Mrd. Euro, ausmachen könne. Für die mittelständische Bauindustrie ergäben sich zusätzliche Marktchancen im Zusammenhang mit dem Netzausbau – vor allem dann, wenn sich die Versorgungsunternehmen für eine erdverlegte Anbindung der Offshore-Projekte entscheiden sollten.
Für die Bauindustrie sei es wichtig, dass die Bundesregierung weder beim Ausbau der erneuerbaren Energien noch bei der Erneuerung des konventionellen Kraftwerksbestandes Zeit verliere. Ansonsten steuere die deutsche Volkswirtschaft bereits gegen Ende des Jahrzehnts auf eine Energielücke zu, glaubt Bodner. Deshalb könne sich Deutschland eine Blockade wichtiger Energieversorgungsprojekte nicht länger leisten. Die Bauindustrie begrüße deshalb, dass die Bundesregierung mit ihrem energiepolitischen Konzept Klarheit über den geplanten Umbau der Energieversorgung in Deutschland schaffen will.
Bodner: „Was wir jetzt brauchen, ist ein Investitionsbeschleunigungs-gesetz. Für uns ist dies ein unverzichtbarer Teil des neuen Energie-konzepts der Bundesregierung.“ Die Presseerklärung und die Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln sind im Internet abrufbar:
www.bauindustrie.de
(Quelle: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V.)
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